„Auch hier war ein berühmter Komponist" ist die austauschbarste Zeile im Reiseführer-Genre. Hier steht stattdessen, was jede der vier Persönlichkeiten an ihrem jeweiligen Ort konkret getan hat — mit Jahreszahlen, nicht mit Anekdoten.
Mozart wurde am 27. Januar 1756 in der Getreidegasse 9 geboren, wo die Familie bis 1773 im dritten Stock wohnte — die Jahre der ersten Kompositionen und der großen Konzertreisen als Wunderkind. Ab 1773 zog die Familie an den Makartplatz 8, das spätere „Mozart-Wohnhaus": hier lebte Mozart bis zu seinem 25. Lebensjahr, bevor er endgültig nach Wien übersiedelte. Beide Häuser sind heute Museen mit Originalobjekten, darunter seine Kindergeige und das Klavier, auf dem er Teile der „Zauberflöte" komponierte.
Anders als Mozarts wechselvolles Reiseleben war Haydns Karriere von 1761 bis 1803 an einen einzigen Ort gebunden: den Hof der Fürsten Esterházy in Eisenstadt, unter vier aufeinanderfolgenden Dienstherren. Der Haydnsaal in Schloss Esterházy inspirierte ihn so sehr, dass er drei Symphonien — „Le Matin", „Le Midi" und „Le Soir" — ausdrücklich für diesen einen Raum komponierte, nicht für ein abstraktes Publikum.
Bruckner wirkte als Organist am Alten Dom in Linz, an einem Instrument, das nach seinen eigenen Wünschen umgebaut wurde und bis heute so klingt wie zu seiner Zeit. Das nach ihm benannte Brucknerhaus, eröffnet 1974, ehrt ihn nicht nur im Namen: Zur Eröffnung dirigierte Herbert von Karajan die Wiener Philharmoniker in Bruckners eigener 7. Symphonie, und seit 1977 findet dort alljährlich das Brucknerfest statt.
Am 30. Juni 1498 gründete der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. die Hofsängerknaben, als er seinen Hof von Innsbruck nach Wien verlegte — ursprünglich sechs, später 14 bis 20 Knaben unter der Leitung des Kantors Georg von Slatkonia. 1924 als Verein „Wiener Sängerknaben" neu organisiert, ist der Chor damit die mit Abstand älteste durchgehend bestehende Musikinstitution dieses Führers — älter als der Musikverein, die Staatsoper und sogar Schloss Esterházy in seiner heutigen Form.