1869 mit Mozarts „Don Giovanni" eröffnet, 1945 fast vollständig zerstört, 1955 mit Beethovens „Fidelio" wiedereröffnet — und bis heute eines der wenigen großen Opernhäuser mit fast täglich wechselndem Spielplan.
Die Architekten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll gewannen den Wettbewerb für das neue Opernhaus, das am 25. Mai 1869 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth mit Mozarts „Don Giovanni" eröffnet wurde. In den letzten Kriegstagen, am 12. März 1945, wurde das Haus durch Bombentreffer weitgehend zerstört — nur die Hauptfassade, die Feststiege und das Schwindfoyer blieben stehen. Der Wiederaufbau dauerte zehn Jahre: Am 5. November 1955 wurde die Staatsoper mit Beethovens „Fidelio" unter Karl Böhm wiedereröffnet, einen Tag später folgte, bewusst symbolisch, erneut „Don Giovanni" — dieselbe Oper, mit der das Haus 1869 begonnen hatte.
Anders als viele Opernhäuser, die eine Produktion wochenlang am Stück zeigen, arbeitet die Staatsoper nach dem sogenannten Repertoiresystem: An aufeinanderfolgenden Abenden stehen oft völlig unterschiedliche Werke auf dem Programm. Wer also zwei Abende hintereinander in Wien ist, kann realistisch zwei verschiedene Opern sehen, statt zweimal dieselbe.
Das Haus verfügt über 435 Stehplätze, die ausschließlich am Tag der jeweiligen Vorstellung ab 10 Uhr an der Kassa in der Operngasse verkauft werden — keine Vorabreservierung, kein Onlinekauf im Voraus. Die Preise beginnen bei rund 13 € für den Balkon, 15 € für die Galerie und 18 € für den Stehplatz im Parterre; jeder Stehplatz verfügt über einen eigenen Übertitel-Monitor. Wer spontan in Wien ist, kommt so für einen zweistelligen Eurobetrag zu einer Vorstellung, für die reguläre Sitzplätze deutlich mehr kosten.
Für reguläre Vorstellungen gibt es keinen verbindlichen Dresscode; das Publikum reicht vom Anzug bis zu Jeans. Abgewiesen werden nur Flip-Flops, sehr kurze Shorts, Unterhemden als Oberbekleidung und blickfeldstörende Kopfbedeckungen. Premieren und Galaabende sind spürbar formeller, und beim Wiener Opernball im Februar — traditionell am Donnerstag vor dem Faschingsdienstag, in seiner heutigen Form seit dem 9. Februar 1956 im Haus veranstaltet — gilt eine strikt durchgesetzte Abendgarderobe-Pflicht.